Ich lerne immer gern Neues über Kultur und Religion meines Gastlandes. Ein Gespräch mit einer Freundin gestern erschüttert mich.
„Ich habe gehört, dass Frauen ihre Nägel nicht wachsen lassen sollen, denn das ist gegen die Religion. Und doch sehe ich so viele Frauen mit langen, lackierten Nägeln. Warum machen sie das?“
„Oh, das ist weil sie ihre Tage haben.“
„Was!? Was hat das eine mit dem anderen zu tun?“
Sie sieht mich verständnislos an. Und erklärt mir das für sie Offensichtliche.
„Während der Blutung ist eine Frau unrein. Sie darf nicht beten oder den Koran lesen - sie darf den Koran noch nicht einmal berühren - also ist es in dieser Woche egal.“
„Wie, sie darf nicht beten? Was ist wenn sie ein dringendes Anliegen hat? Sagen wir, ihre Mutter liegt im Sterben. Sie muss doch beten können!“
„Nein, solange sie unrein ist, geht das nicht. Erst wenn ihre Blutung vorbei ist.“
Ich bin schockiert. Fassungslos. Solange ich hier auch lebe, das wusste ich nicht. Ich kann mir nicht vorstellen, einen Gott anzubeten, dem ich nur an bestimmten Tagen nahekommen darf. Jeden Monat eine Woche haben, in der mein Glaube keine Rolle spielt, da ich nicht würdig bin in seiner Gegenwart zu sein oder zu lesen, was er mir mitteilen will.

Wie wenn eine verschlossene Tür zwischen Gott und mir wäre, egal wie sehr ich mich nach ihm sehne.
Lasst uns deshalb zuversichtlich vor den Thron unseres gnädigen Gottes treten. Dort werden wir Barmherzigkeit empfangen und Gnade finden, die uns helfen wird, wenn wir sie brauchen.
Hebräer 4,16
Heute bin ich einfach nur dankbar. Dankbar für einen Gott, der mir in Jesus nahegekommen ist, der mich als Frau wertschätzt, und der sich IMMER freut, wenn ich Zeit mit ihm verbringen und in seinem Wort lesen will.
Liebe Marianne, soeben habe ich dein interssantes Buch über die Zeit in Katar fertig gelesen...und nun noch deinen Blog. Gerne lerne ich durch deine Berichte, das Leben anderer Menschen kennen. Und staune über unsren allmächtigen, gütigen Gott.
Gott segne und behüte dich!
Lydia