Nun sind es schon dreizehn Jahre, die wir in Saudi-Arabien leben. Beim Schreiben rechne ich mehrmals nach, weil ich kaum glauben kann, dass wir schon so lange hier sind! Vom ersten angespannten Besuch – damit endet ja das Buch „Unverschleiert in Katar“ – bis zum heutigen Tag, haben wir so viele Veränderungen miterlebt.
Verschleiern ist hier für Frauen angesagt, ganz einfach, weil selbst ein kleines sichtbares Haar Männer verführen könnte. Immer mit dem Wissen zu leben, dass man besser nicht gesehen werden sollte; das ist nicht leicht!
Seit ein paar Jahren ist das Verschleiern nicht mehr Pflicht, doch für die meisten einheimischen Frauen hat sich wenig verändert, denn der Ruf der Familie hängt von ihnen ab.

Es gibt jedoch einen Ort, an dem Hüllen abgelegt werden, und jede Frau sein darf, wer sie wirklich ist, ohne ständiges Werten und Urteilen der anderen. Es sind Fitness-Studios, die es hier nur für Männer und Frauen getrennt gibt. Dass Frauen einen solchen Bereich haben, ist auch eine Neuerung und wäre noch vor wenigen Jahren undenkbar gewesen.
In diesen Fitness-Studios haben Frauen die Freiheit Neues auszuprobieren. Körperlich und emotional stark, selbstbewusst und unabhängig zu werden. Herauszufinden, wer bin ich wirklich?

Ich glaube, auch ohne schwarze Hüllen, verstecken wir uns gern vor anderen. Passen uns an, sodass wir teil einer gleichförmigen Masse sind. Und im Gegensatz zu diesen Frauen, die im Fitness-Studio etwas Neues ausprobieren, bleiben wir gern beim Altvertrauten, denn das fühlt sich am sichersten an.
Was bedeutet da dieser Vers aus dem 31. Psalm für mein Leben?
Ich glaube, das Leben als Christ sollte kein enggeschnürtes Paket voller Vorschriften sein. Jesus lädt mich zur Freiheit ein. Das bedeutet, ich darf Neues ausprobieren, denken und erleben. Nur so werde ich herausfinden, wer ich wirklich bin. Nur so werde ich zu der Person, die Gott im Sinn hatte, als er mich erdacht hat. Und so kann er mich auch am besten gebrauchen.
Bei den luftigen Übungen in unserem Fitness-Studio gibt es ein wichtiges, wiederkehrendes Thema: Sicherheit. Wenn ich Vertrautes loslasse, brauche ich einen Halt. Ich hake mich mit meinem Fuß oder Knie oder Ellenbogen ein, damit ich nicht falle und mich verletze. Dieser Halt ist für mich die Hand meines himmlischen Vaters. An seiner Seite darf ich ohne Angst den weiten Raum, den er mir anbietet, entdecken. Ich kann mich auf Neues einlassen, andere Wege erproben, weil mein guter Vater bei mir ist.

Wie ist es mit ausländischen Frauen? Ist ihr Ruf auch beschädigt, wenn sie sich nicht in Schwarz hüllen?
Nein! Die Einheimischen wissen ja, dass das im Westen nicht üblich ist, dass unsere Kultur und Religion anders ist, darum erwarten sie nicht, dass wir uns verschleiern.
Hallo Marianne, ich lese gerade Dein Buch über Die Zeit in Katar. Wow! Nun seid ihr ja in Saudiarabien. Was mich als Beterin für dieses Land natürlich interessiert. Ist da auch ein Buch in Planung bzw. Mache? Ich würde mich sehr freuen das zu lesen. Ich hätte eine Menge Fragen, weil ich die News verfolge...z.B. in Sachen Öffnung für Tourismus und Wirtschaft....wir sehen diese Öffnung als Möglichkeit für die gute Botschaft....und hörten von Menschen, die schon im Land gewesen sind, dass auch die Bevölkerung offen ist. LG und Gottes Segen Karin
Ja, ich möchte sehr gerne auch ein Buch über Saudi-Arabien schreiben! Wir sind ja nun schon lange hier und haben so viele Veränderungen miterlebt, es ist wirklich spannend!
Liebe Marianne,
Ich hab grad dein Buch mit Begeisterung gelesen und bin sehr neugierig wie es euch in SaudiArabien geht.
Ist die Mentalität im Prinzip genauso wie in Katar? Könnt ihr Christen treffen? Seid ihr mit Kindern dort?
Über ein weiteres Buch würde ich mich sehr freuen.
Herzliche Grüße
Gudrun
Liebe Gudrun,
herzlichen dank für deinen lieben Kommentar! Es ist in Saudi-Arabien anders als in Katar. Zuerst war es eine sehr schwere Umstellung, denn es war zu der Zeit alles sehr konservativ und einschränkend. Mittlerweile hat sich das Land sehr geändert und es gibt mehr Freiheiten. Bei uns lebt nun nur noch Jasmina, unsere Jüngste, aber am Anfang waren fast alle dabei. Treffen von Christen sind offiziell nicht erlaubt, er gibt in der Regel nur in Botschaften oder Konsulaten genehmigte christliche Treffen. Ja, ich möchte sehr gern über unsere Zeit in Saudi-Arabien schreiben, denn wir haben viele spannende Veränderungen miterlebt.
Liebe Grüße
Marianne