
Vor ein paar Tagen hat es in Jeddah geregnet, der erste richtige Regenfall seit einem halben Jahr. Genau genommen hat es nicht geregnet, es hat geschüttet! Innerhalb einer halben Stunde wurde die Straße vor unserem Haus in einen Fluss verwandelt. Doch wir hatten es im Vergleich zu vielen anderen gut. Mehrere Stadtteile wurden überflutet, Autos weggeschwemmt, Häuser zerstört. Das alles, weil viele Straßen in dieser Wüstenstadt keine Drainage haben. Es staut sich also alles, was vom Himmel fällt.
Am Abend dieses Regentages mache ich einen Spaziergang. Gut, dass ich Flip-Flops anhabe, denn es ist unmöglich nicht durchnässt zu werden. Der Gehweg endet vor einem schlammigen See, wo sich gestern noch die Straße befand. Ich setze meinen Fuß nur zögernd in dieses dreckige Gewässer, denn es ist unmöglich festzustellen, wie tief ich einsinken werde. Da denke ich an einen Bibelvers:
Ich versinke in tiefem Schlamm, wo kein Grund ist; ich bin in tiefe Wasser geraten, und die Flut will mich ersäufen.
Psalm 69,3
Ich kenne das. Zeiten, in denen ich das Gefühl habe, ich werde von einem Strudel mitgerissen. Ohne Halt. Ohne Sicherheit. Ich muss darum kämpfen den Tag zu überstehen. Den nächsten Augenblick.
Wie David in diesem Psalm will ich mich daran erinnern, dass Gott mich in meiner Not sieht. Er ist ein Gott der Liebe und Barmherzigkeit. Er streckt mir seine Hand entgegen und geht mit mir den schweren Weg durch den undurchdringlichen Schlamm. Er führt mich zurück zum sicheren Gehweg.
